Predigt Palmsonntag 2020

Liebe Gemeinde, liebe Gäste,

Morgen ist Palmsonntag.

Der Tag, an dem Jesus in Jerusalem einzog.

Der Tag, an dem viele Menschen ihm zu jubelten.

Matthäus spricht von einer „sehr großen Menge“.

Eine Menge, die ihm zujubelte.

Eine Menge, die ihre Kleider und Palmenzweige auf den Weg legte.

Eine Menge, die ihn als König hofierte und begrüßte.

Sie riefen:

Hosianna, dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe.“ (Matthäus 21, 9)

Hosianna ist ein Jubelruf.

Ein griechisches Wort, das sich aus zwei hebräischen Worten zusammen setzt.

Es bedeutet soviel wie: „Rette doch“ oder „Ach, gib Heil!“ oder auch: „Gib Segen“.

In seinem ganzen Leben hat Jesus nie nach Aufmerksamkeit von Menschen gesucht.

Es ging ihm nicht um seine Person oder um Anerkennung.

Aber hier weiß er – wenige Tage vor seiner Hinrichtung – dass er als der Gesandte Gottes, als der Messias, der Retter, der Heiland offenbart werden soll.

In einer Weise, wie es nur einem König gebührt.

Keinem Selbstberufenen, sondern einem von Gott beauftragten und Gesalbten (Messias).

Alle Welt soll erkennen, das der Vater im Himmel den Sohn gesandt hat.

Zur Erlösung der Welt.

Dies ist keine Hochmut, sondern ein sich stellen zu dem Auftrag, der ihm vom Himmel her gegeben wurde.

So wie es in der Apostelgeschichte 11,29 steht:

Gottes Gaben und Berufungen können ihn nicht gereuen.“

Sie sind unwiderruflich.

Und genau dies tut Jesus.

In allem erüllt er den Willen des Vaters.

In allem ist er ihm gehorsam – ja, Jesus erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz.

So lesen wir es in Philipper 2,8.

Dieser besingungslose Gehorsam, diese besingungslose Hingabe.

Diese Botschaft Jesu Christis zieht sich wie ein roter Faden, aber auch wie ein Weck – und Mahnruf durch die Passionszeit.

Jesus wußte, welchen Weg er gehen würde.

Er wusste, dass großes Leid und unsagbare Folter vor ihm lagen.

Geißelung, Erniedrigung, Spott und Qual.

Denn bereits während seines größten Triumphes – seinem Einzug in Jerusalem – regte sich Widerstand:

Und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und fragte:

Wer ist der?“

Schon bald würde sich dieser königliche Einzug, diese Stunde des Sieges in furchtbaren Schmerz verwandeln, wie ihn Jesaja nicht besser beschreiben kann:

(Jesus)

Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, daß man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet. 

Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre.…

Die Strafe lag auf ihm…“ (Jesaja 53 3-5)

Welche Wucht, welcher Schmerz, welches unumgängliches Leid tritt uns in diesen Zeilen entgegen.

Kein Osterspaziergang.

Keine „apres ski“ Party.

Kein defilee der Stars und Sternchen.

Sondern ein Weg des Leids und der Hingabe.

Dahinein ruft uns die Zeit vor Ostern.

Ihm, dem wahren Messias zuzujubeln wie geschrieben steht:

Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel“ (Matthäus 21,5).

Was bedeutet das für uns?

Es geht ja hier nicht um eine historische Rückbesinnung oder um ein Nachspielen des Einzugs von Jesus in Jerusalem in unseren Tagen.

So wie es bei den Oberammergauern Passionsspielen geschieht.

Sondern es geht um eine innere Vorbereitung, um eine innere Herzensbereitschaft sich auf das Kommen Jesu Christi vorzubereiten.

Und dieses Ereignis der Widerkehr Christi rückt immer näher.

Einige Fakten dazu, wobei dies ein Thema für eine extra Bibelarbeit und Predigt wäre. (und vielleicht auch zeitnah wird)

  • immer mehr Menschen aus verschiedenen Generationen und Ländern haben Träume und Visionen, in denen sie darauf hingewiesen werden, dass Jesus bald wieder kommt. (dies kann mann über youtube gut recherchieren)
  • Matthäus schreibt: „Denn wie es in den Tagen Noahs war, so wird auch sein das Kommen des Menschensohnes..sie aßen, sie tranken, sie heirateten..und sie beachteten es nicht..bis die Sinftflut kam…so wird es auch sein beim Kommen des Menschensohnes. Darum wachet, denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt…Denn er kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht erwartet“ (Matthäus 24,38-44 in Auswahl)
  • die Zeichen der Zeit wie Erdbeben, Kriege, Hungersnöte etc sprechen eine endzeitliche Sprache..

Ich bin kein Prophet und möchte auch keine Angst verbreiten.

Das würde meiner Botschaft vom letzten Sonntag komplett widersprechen.

Aber ich bin fest davon überzeugt, dass wir als Christen in dieser Zeit gerufen sind Menschen wach zu rütteln, uns selbst und auch andere auf die kommenden Zeiten vorzubereiten und damit zu rechnen, dass wir in die letzte Phase der Heilsgeschichte hinein gehen. Wie lange auch immer diese andauern wird.

Denn Jesus kommt zu einer Zeit wieder, wo wir nicht damit rechnen.

Dieses Wort der Bibel ist für mich ausreichend, um es ernst zu nehmen.

Denn viele Menschen und auch viele Christen meinen, wir haben noch Zeit uns für oder gegen Gott zu entscheiden.

Heute kann ich noch fröhlich sündigen bzw. meine klare Entscheidung hinaus zögern.

Gegen diesen Trugschluss wendet sich die Bibel an vielen Stellen.

Eine bekannte sei aus Hebräer 3,8 genannt:

Heute, wenn ihr seine Stimme hört, dann verstockt eure Herzen nicht.“

Eine mahnende Botschaft.

Keine sanfte Botschaft.

Aber eine notwendige – wir ich finde.

Denn ich habe selbst viele Jahre so gelebt.

Eine Botschaft, die Leben retten wird.

Eine Botschaft, die Menschen aus der ewigen Verdammnis in die ewige Errettung hinein bringen wird.

Und damit sind wir auch gerufen:

  • ein zu bequemes Christentum,
  • ein Christentum der falschen Kompromisse,
  • einen lauwarmen Glauben,
  • einen „halben“ Christus,
  • eine halbherzige Nachfolge
  • an den Nagel, ja sinnbildlich an das Kreuz zu hängen.

Weil wir in eine Zeit von großen Erschütterungen hinein gehen.

Es ist eine Botschaft des Reiches Gottes, die wir in seiner ganzen Klarheit vergessen haben zu predigen.

Hier sind wir als Prediger und als Kirche schuldig geworden vor Gott.

Zwei Schriftstellen dazu:

  1. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden – Markus 16,16
  2. Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind’s, die auf ihm hineingehen. Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind’s, die ihn finden! Matthäus 7,13+14

Können wir diese und viele andere Schriftstellen einfach so ignorieren?

Betrügen wir uns damit nicht selbst?

Aus diesem Grund ruft Gott seine Kirche, seine Gläubigen gerade in dieser Zeit zu Zeugen seines Wortes.

  • Dass wir unseren Familien davon erzählen.
  • Dass wir unsere Kollegen nicht mit der Wahrheit des Wortes Gottes „verschonen“.
  • Dass wir uns selbst prüfen, aber auch mutig werden und unbekannte Menschen anzusprechen und ihnen die frohe Botschaft weiter geben.

Ich denke, dies haben wir alle miteinander ein Stück verlernt.

Aber es ist der Auftrag aller Gläubigen:

Es ist Gottes Wort: „Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker…und taufet sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes..“ (Matthäus 28,18-20).

Zurück zu unserer Geschichte des Einzugs von Jerusalem.

Scheinbar bin ich von diesem Thema abgekommen.

Aber ich empfinde darin einen großen inneren Zusammenhang.

Wenn wir diese genannten Dinge beherzigen.

Wenn wir auch am Fuße des Kreuzes, dort wo Leid und Schmerz ist, stehen bleiben.

Wenn wir unserem Auftrag treu bleiben.

Uns der Wahrheit seines Wortes stellen.

Dann ist das Jubel.

Dann preisen wir Gott mit unserem Leben und unserem Sein.

Dann beten wir ihn an durch unsere Taten und Worte.

Dann haben wir unsere Kleider schon nieder gelegt und erheben Palmzweige zur Ehre Gottes.

Dann bezeugt unser Leben diesen Ruf:

Hosianna dem Sohn Davids (Jesus Christus).

Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn.

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere menschliche Vernunft, bewahre unser Herzen und Gedanken in Christus Jesus unserem Herrn. Amen.

Fürbitte und Gebet: (Anregungen)

  • Wir denken heute an alle Konfirmanden und deren Familien, die heute Konfirmation gefeiert hätten!
  • Wir treten ein für alle Ärzte, Schwestern und Pfleger, die an der Front kämpfen und besonders in Italien und Spanien an den Rand der Belastbarkeit kommen
  • Wir beten um Schutz und Bewahrung für alle Menschen
  • Wir segnen unsere Regierung(en), dass sie weise Entscheidungen treffen und nicht aus Übervorsicht unser Land wirtschaftlich ruinieren
  • Wir beten um Solidarität und Besonnenheit, um Nächstenliebe, aber auch Tatkraft und Entscheidungsfreudigkeit aller Verantwortlichen in Kirche/ Politik und Wirtschaft/
  • Wir beten gegen alle Panikmache und unverhältnismäßige Maßnahmen, die unsere Demokratie, unsere Meinungs- und Religionsfreiheit und unsere Freiheit auf Dauer beschneiden sollen!
  • Wir beten um die Ausbreitung des Reiches Gottes durch einen jeden von uns und durch Gottes Geist
  • ect. etc….

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