Kurzpredigt für Quasimodogeniti – Thomas Stiehl

Gott verfügt über Ressourcen, von denen wir nichts ahnen,

Lösungen außerhalb unserer Realität,

Maßnahmen, die unsere Möglichkeiten übersteigen.

Wir sehen Probleme, Gott sieht Versorgung.“

Max Lucado.

Liebe Gemeinde, liebe Gäste,

Seit einigen Wochen steht die Welt Kopf.

Flughäfen werden still gelegt.

Reisende von den 4 Enden der Erde zurück geholt.

Ganze Belegschaften in die Kurzarbeit geschickt.

Einzelhändler und Selbstständige bangen um ihre Existenz.

Kirchen werden geschlossen.

Konfirmationen und Jugendweihen abgesagt.

In Amerika sind binnen kurzer Zeit mehr als 22 Millionen Menschen arbeitslos.

Gaststätten und Museen bleiben Menschenleer.

Das Rad des geschäftigten Alltags steht an vielen Stellen still.

Viel wird dabei diskutiert über die „Sinnhaftigkeit“ oder „Sinnlosigkeit der Maßnahmen.

Es ist gut aus diesem Strom, der Flut von hitzigen Nachrichten auszusteigen.

Am besten täglich.

Mein Blick fällt auf die Losung dieses Sonntags:

Gott behütet sein Volk wie seinen Augapfel.“ aus 5. Mose 32,10.

Ja, richtig, was macht Gott eigentlich gerade?

Ist er gerade auf Urlaub oder Tauchstation?

Hat er seine Finger bei dieser Krise mit im Spiel?

Oder: Was will er uns vielleicht damit sagen?

In dieser Zeit, wo Angst und Panik, schlechte Nachrichten und übertriebene Maßnahmen sich die Klinke in die Hand drücken.

Gott behütet sein Volk wie seinen Augapfel.

Was für ein Wort.

Unser Auge.

Eines der sensibelsten Sinnesorgane unseres Körpers.

Die Augen.

Die meisten von uns können sie fast uneingeschränkt nutzen.

Es scheint uns wie selbstverständlich, dass wir sehen können.

Wer starke Sehprobleme hat, weiß wie kostbar das Sehen ist.

Und wie schwer es fällt darauf zum Teil oder auch ganz verzichten zu müssen.

Das Auge.

Ein empfindliches Organ.

Gut geschützt liegt es in der Schädelhöhle.

Der größte Teil vom Auge ist nicht sichtbar.

Eine starke Lederhat, schützt, umschließt das empfindsame Auge.

Hornhaut und Bindehaut liegen noch schützend darüber.

Das Augenlied ist wie eine Tür, eine Fensterjalousie, die wir zuklappen können.

Um zu schlafen, das Auge zu bewahren, einmal tief nachzudenken.

Oder uns gegen grelles Licht zu schützen.

Obwohl – auch das macht ja das Auge fast von alleine mit der Weitung oder Verengung der Pupille.

Faszinierend, die Menge des eindringenden Lichtes wird automatisch durch sie reguliert.

Auf der Netzhaut sammeln sich dann die Informationen des Gesehenen.

Der Sehnerv gibt dann die Informationen an das Gehirn weiter.

Das ist etwas, das mich faszieniert.

Nur ein Vorgang in unserem komplex aufgebauten und funktionierendem Körper.

Und von Gott wird nun im Blick auf uns sagt:

Er behütet sein Volk wie seinen Augapfel.“

Gott passt auf uns auf wie auf seinen eigenen Augapfel.

Wie eines seiner empfindlichesten und sensibelsten Teile seines Seins.

Ein Bild, das mich in seiner Klarheit und Kürze anrührt, anspricht.

Mich nachdenken lässt:

„Was unterstelle ich Gott..manchmal..“

„Dass er nicht da ist.“

„Sich nicht kümmert.“

„Ihm die Dinge aus den Händen gleiten.“

Sein Wort sagt:

Er passt auf.

Er sorgt sich.

Ja, er will uns unterweisen und uns den Weg zeigen, den wir gehen sollen, er will uns mit seinen Augen leiten. Psalm 32,8.

Ein weiterer Vers der Bibel, wo das Auge vorkommt.

Mit seinen Augen will er uns leiten.

Gerade in dieser Krise.

Gerade dann, wenn alles ungewiss ist, alles unsicher.

Gott will uns leiten.

Wie er das Volk Israel durch die Wüste geleitet hat.

Wie er bei Joseph mit im Gefängsnis war.

Und bei Daniel in der Löwengrube.

Das Wort: „Gott behütet sein Volk, also mich und dich wie seinen Augapfel,“ bekommt ein Gesicht, gewinnt Gestalt durch die Geschichten der Bibel.

Es lässt mich ruhig werden.

Aber nicht nur die biblischen Geschichten, so spannend und gut sie auch sind, erzählen von der Güte Gottes.

Auch das eigene Leben ist ein Erzählband der Liebe und Zuwendung Gottes.

Ich denke an Bewahrung bei Unfällen.

Unversehrt stieg ich 2012 nach einem Überschlag mit dem Auto in den geyrischen Wald aus dem Wagen.

Ein kleiner Kratzer.

Ein paar Verrenkungen.

Ich denke an einen Konfirmanden aus Tannenberg, der vor Jahren beim Klettern in der Binge abstürzte.

Nah an der Querschnittslähumg vorbei.

Im Krankenhaus besuchte ich ihn und sagte:

„Du weißt sicher, dass dir Gott ein 2. Leben geschenkt hat.“

Er sagte: „JA, das weiß ich.“

Einmal explodierte eine Bombe auf meinen Reisen in die Mittelmeerländer.

In einem Basar in der Türkei – ein Tag, nachdem ich genau in diesem Basar war.

Und in Ägypten – 400 m von unserer Unterkunft – konnte eine Bombe entschäft und ein geplanter Anschlag verhindert werden.

In der Zeit unseres Aufenthaltes.

Alles Zufall?

Gott behütet sein Volk wie seinen Augapfel“ – wird zu einem gefüllten und bereits erfüllten Wort – wenn ich meinen Blick auf Gott richte und in Dankbarkeit über mein Leben nachdenke.

Wie geht es Ihnen?

Ich möchte wieder neu dankbar werden und staunen wie ein Kind.

Ich möchte Gott mehr zutrauen, ihn mehr entdecken in meinem Alltag.

Ihn bitten in diese Zeit der Corona Krise meine Schritte zu lenken, meine Gedanken zu bewahren und meinen Glauben zu stärken.

Die Wüstenwanderung der Israeliten dauerte 40 Jahre.

Gott verkürzte diesen Weg nicht.

Unsere derzeitige Krise erscheint uns schon lang und ewig.

Aber sie ist doch nur ein Augenblick im Vergleich dazu.

Halten wir das aus, was im Allag an Einschränkungen gegeben ist.

Richten wir unseren Blick wieder neu auf ihn.

Denn Gott ist dabei seine Kirche und seinen Leib zu verändern, auf ihn neu auszurichten und unsere Abhängigkeit zu ihm zu stärken.

Glauben wir, dass das was in Jesaja 40,30 +31 steht, wahr ist:

Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen;

aber die auf den HERRN harren, bekommen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden.

Angst und Panik, schlechte Nachrichten und das Geschrei dieser Welt saugen Kraft aus mir, legen mich lahm und machen mich müde.

Aber der Blick auf Gott schenkt mir Rückenwind.

Lässt mich neu durchatmen.

Gibt mir Auftrieb – so wie ein Aufwind die Adler in die Höhen führt.

Diese Zeit fordert unsere Geduld.

Bringt manche an den Rand ihrer Existenz und in die Nähe eines Nervenzusammenbruchs.

Ich denke an die Restauant- und Gaststätten Besitzer, die diesen Freitag ihre Stühle aus Protest gegen die anhaltenden Einschränkungen vor die Frauenkirche in Dresden gestellt haben.

Ja auch das braucht es in dieser Zeit und nicht alles zu „schlucken“, was von oben angeordnet wird.

Aber der Focus heute in dieser kleinen Andacht ist den Blick auf die Stärke, die Fürsorge und die Hilfe Gottes zu richten.

Damit ein tiefes Vertrauen in den Gott wächst, von dem gesagt wird:

Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört und in keines Menschen Herz gekommen ist, das hat Gott denen bereitet, die ihn lieben.“

Dieser Vers aus 1. Korinther 2,9 will unsere engen Grenzen sprengen, den Glauben an einen großen Gott stärken.

Und die Schar der Christen, von denen viele lau und ungläubig geworden sind, wieder sammeln, aufrütteln und aufrichten.

Die Braut Christi ist noch nicht genügend vorbereitet für das, was kommen wird, an Herausforderungen, Krisen, Drangsalen und Schwierigkeiten.

Gott gebraucht diese Zeit, um uns auf das Kommende vorzubereiten und zu stärken.

Das ist mein Empfinden für diese Zeit.

Nutzen wir doch diese Zeit des Trainings wie die Israeliten in der Wüste, um immer mehr vom Geist dieser Welt befreit zu werden und unsere Zuversicht immer weiter und mehr auf Gott zu richten.

Das ist immer mit inneren Wegen, dem Überwinden von Hindernissen und einem Wachsen in seine Kraft und Herrlichkeit verbunden.

So dass wir immer mehr erfahren und tief in unserem Inneren glauben:

Gott behütet sein Volk wie seinen Augapfel.“

Diese Entwicklungen und diese inneren Glaubenswege fasst Max Lucado in einem einzigen Vers treffend zusammen.

Gott verfügt über Ressourcen, von denen wir nichts ahnen,

Lösungen außerhalb unserer Realität,

Maßnahmen, die unsere Möglichkeiten übersteigen.

Wir sehen Probleme, Gott sieht Versorgung.“

Max Lucado.

Amen.

Und der Friede Gottes, der all unsere menschliche Vernunft übersteigt, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

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